Anfang des 19. Jahrhunderts stellten die großen indianischen Nationen des Südens – die Cherokee, Choctaw, Chickasaw und Creek – für die jungen Vereinigten Staaten keine militärische Bedrohung mehr dar. Doch bei ihnen selbst tat sich eine tiefe Kluft auf zwischen jenen, die an ihrem traditionellen Leben festzuhalten versuchten, und der wachsenden Mehrheit derer, die die materielle Kultur der Weißen übernahmen.
Die Fünf Zivilisierten Stämme
Der Akkulturationsprozess kam 1801 mit der Ankunft der Herrnhuter in Schwung. Sie christianisierten die Cherokee, siedelten sich unter ihnen an und brachten ihnen Ackerbaumethoden der Weißen, Handwerk sowie das Lesen und Schreiben des Englischen bei.
In den 1820er Jahren wurde die Akkulturation durch Sequoyah beschleunigt, einen Cherokee-Veteran. Er erfand ein Cherokee-Alphabet und arbeitete Regeln für die Schreibung dieser Sprache aus. Die Cherokee lernten sehr schnell lesen und schreiben; schon 1828 begann der Stamm, eine Zeitung namens The Phoenix zu publizieren.
Im selben Jahr übernahmen die Cherokee ein neues politisches System, das zum größten Teil auf dem Vorbild der Vereinigten Staaten beruhte. John Ross, ein Mischling, wurde zum Oberhäuptling gewählt. Bei nichtindianischen Besuchern wurden diese vier Nationen zusammen mit den Seminolen als die "Fünf Zivilisierten Stämme" bekannt.
Der Removal Act
Die Wahl Andrew Jacksons zum Präsidenten der USA im Jahre 1828 war für die Indianer eine Katastrophe. Er wollte, nötigenfalls mit Gewalt, alle Stämme des Ostens in die damals noch wenig bekannte "Great American Desert" westlich des Mississippi umsiedeln. Schließlich entdeckte man auf dem Land der Cherokee Gold.
Am 28. Mai 1830 verabschiedete der Kongress den "Removal Act", ein Gesetz, das die zwangsweise Umsiedlung der östlichen Stämme in den Westen vorsah. Die "zivilisierten Stämme" wurden Opfer einer Politik, die im späten 20. Jahrhundert als ethnische Säuberung bekannt werden sollte.
Jackson riet: "Den Indianern tüchtig einzuheizen. Wenn es ihnen zu heiß wird, werden sie gehen."
Die Choctaw
Die Choctaw bekamen die neuen Gesetze als erste zu spüren. Während der nächsten vier Jahre starben über viertausend der dreizehntausend Choctaw, die nach Westen aufbrachen, an Hunger und Krankheiten oder erfroren auf dem langen, harten Marsch in ihre neue Heimat.
Der Marsch der Cherokee
Im Sommer 1838 traf General Winfield Scott mit 7000 Soldaten in Georgia ein, um die Cherokee zum Verlassen ihres Landes zu zwingen. Tausende von Indianern wurden mit vorgehaltenem Bajonett in Lagern zusammengetrieben, die man heute Konzentrationslager nennen würde.
Für die 18.000 Cherokee begann der "Marsch der tausend Meilen", den die Cherokee bis heute den Zug der Tränen nennen. Er wurde zu einem der großen Todesmärsche der Geschichte. Schlecht gekleidet, schlecht ernährt, ohne jede medizinische Betreuung, von den Soldaten mit Bajonetten vorwärts getrieben, erlitten die Cherokee schwere Verluste.
Etwa 4000 Cherokee starben auf dem mörderischen Treck, der ungefähr sechs Monate dauerte – aber diese Zahl ist zweifellos zu niedrig. Ross' Frau gehörte zu jenen, die unterwegs an Hunger, Kälte oder Verzweiflung starben.
Die Seminolenkriege
Die Seminolen und Mikasuki in den Everglades widersetzten sich der Umsiedlung. Osceola entwickelte sich zum kühnsten und gefürchtetsten Führer. Der Konflikt von 1835 bis 1842 war aus der Perspektive der Regierung der längste, teuerste und erfolgloseste Indianerkrieg und kostete die Vereinigten Staaten 1.500 Gefallene und vierzig bis sechzig Millionen Dollar.
Das Indian Territory
Im Indian Territory bauten die Cherokee ihre Gesellschaft und ihr Wirtschaftssystem langsam wieder auf. Bald nach dem Bürgerkrieg wurde das Indian Territory für weiße Siedler geöffnet und 1907 dem neuen Staat Oklahoma einverleibt. Laut Vertrag sollte es den Indianern gehören, "solange das Gras wächst und die Flüsse fließen".
