Sarah Winnemucca

Stimme der Paiute (1844-1891)

Eine außergewöhnliche Frau

Sarah Winnemucca (1844-1891) gelang es, in einem Maße auf die Indianerpolitik der USA Einfluss zu nehmen, wie es das damals herrschende Gesellschaftssystem sonst weder einer Frau noch einer Angehörigen der Ureinwohner bereit war zuzugestehen.

Sie war die Tochter des Northern-Paiute-Anführers Old Winnemucca und den Paiute-Frauen mangelte es als Ernährerinnen der Familie nicht an Selbstbewusstsein: Sarah Winnemucca wurde zu einer populären Verfechterin der Rechte ihres Volkes – und zu einer der umstrittensten Figuren in der Geschichte des indianischen Nordamerikas.

Vermittlerin zwischen den Welten

Als eine Paiute aufgewachsen, aber ab dem Alter von zehn Jahren teilweise in weißen Haushalten in Kalifornien erzogen, war es Sarah Winnemucca vorbestimmt, eine Vermittlerrolle einzunehmen. Sie arbeitete für Indianeragenturen der Regierung und für die Armee, und sie wies den Paiute in einer von ihr gegründeten Schule einen Weg zur "Zivilisation".

Allerdings hatte Sarah Winnemucca eine sehr persönliche Auffassung vom Pfad der Paiute in die amerikanische Gesellschaft. Unermüdlich kritisierte sie in Interviews und Vorträgen die Bevormundung ihres Volks durch korrupte Angestellte des Indianerbüros. "Wenn dies die Zivilisation ist, die uns dort erwartet", sagte sie einmal, "gebe Gott, dass wir nie in eine Reservation gehen müssen."

Kampf gegen die Korruption

Nach der Umsiedlung der Northern Paiute in die Malheur Reservation in Oregon gerieten sie 1876 in die Klauen des Agenten William Rinehart, der die dürtigen Erträge ihrer Landwirtschaft konfiszierte und ihr bestes Land an Weiße verpachtete. Damit trieb er viele von ihnen auf die Seite der Bannock, die sich 1878 gegen die Weißen erhoben.

Wie sehr man in Washington Sarahs öffentliche Kritik fürchtete, wird an der vulgären Kampagne deutlich, mit der das Bureau of Indian Affairs (BIA) sie zu diffamieren suchte.

Vortragsreisen und Autorin

1883/84 hielt sie in Städten an der Ostküste über 300 Vorträge, in denen sie einem breiten Publikum die Anliegen ihres Volks näher brachte und Spenden sammelte. Ihrer Bekanntschaft mit den reichen Schwestern Elizabeth Peabody und Mary Mann verdankte sie die Einführung in das politische und intellektuelle Establishment von Neuengland.

Begeisterte Aufnahme bei ihren Anhängern fand ihr Buch "Life Among the Piutes", das 1883 veröffentlicht wurde. Das Werk, in dem sie für die Bürgerrechte der Indianer Partei ergriff, wurde ganz nebenbei auch zur ersten selbstverfassten indianischen Autobiographie der amerikanischen Literaturgeschichte.

Krank und desillusioniert starb Sarah Winnemucca 1891 fern ihrer Heimat im östlichen Idaho.

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