Indianer gestern und heute

Das Leben im Lager

Aus der Ferne sehen die Zelte der Lakota aus wie Zuckerhütchen. Hell leuchten sie im gleißenden Licht des Sommertages, irgendwo an einem Fluss in den nördlichen Prärien des Mittelwestens. Direkt neben den Tipis sind einzelne Pferde angepflockt, die Lieblingstiere der Jäger und Krieger.

Die Öffnung aller Tipis weisen nach Osten, der aufgehenden Sonne entgegen. Die Einrichtung ist kärglich, aber zweckmäßig. Am äußeren Rand liegen die Büffelfelle, sie werden als Unter- und Zudecken für die Nacht genutzt. "Herr im Zelt" ist immer eine Frau. Ihr gehört das Tipi mit seinem gesamten Inhalt – außer den Waffen und der Medizin ihres Mannes.

Kindererziehung

Die Kindererziehung war bei den Prärie-Indianern eine Verbindung von Nachsicht und strenger Disziplin. Die Indianer schalten oder züchtigten ihre Kinder selbst wegen ernster Untaten nur selten, sondern ermahnten sie nur, würdevoll, bescheiden, rein und ehrlich zu sein.

Die Kleinkinder wurden in gepolsterten Tragen (Cradle boards) von ihrer Mutter auf dem Rücken überallhin getragen. Das Kind saß aufrecht im Körbchen und konnte das alltägliche Leben von einem höheren Punkt aus beobachten.

Schon im Alter von fünf oder sechs Jahren lernten Jungen, mit den Pferden umzugehen. Nicht nur reiten konnten sie, sondern auch im vollen Galopp Gegenstände vom Boden aufheben und mit Pfeil und Bogen Ziele treffen.

Die Cheyenne zum Beispiel duldeten aber selbst bei den kleinsten Kindern kein Schreien. Ein schreiendes Baby war nicht nur lästig, sondern auch gefährlich, weil sein Schreien dem Feind die Position des Lagers verraten konnte.

Gesellschaft und Zeremonien

Innerhalb der Stämme gab es zahlreiche Vereinigungen wie etwa Tabakbünde, Wolfsbünde und ähnliche; sie befassten sich mit Krieg, Jagd, Kundschaftertätigkeit und anderen spezifisch männlichen Aktivitäten. Die Frauen bildeten Gruppen, die auf Schneidern, Gerben und Putzmachen spezialisiert waren.

Die Indianer waren leidenschaftliche Spieler und spielten eine Art Schlagball (Lacrosse), bei dem es alljährlich eine Anzahl von Knochenbrüchen gab. Man tauschte mit Verwandten Erinnerungen aus, prahlte mit Heldentaten im Krieg oder auf der Jagd und bereitete die jungen Männer für den Sonnentanz oder die Visionssuche vor.

Wirtschaftlicher Wandel

Der Verlust des angestammten Landes und die Nachfrage der Weißen nach Pelzen und anderen Gütern zerstörte im 19. Jahrhundert rasch die traditionellen indianischen Wirtschaftssysteme. So waren die Indianer zunehmend dazu verurteilt, für einen Hungerslohn zu arbeiten.

Im Jahre 1934 verabschiedete die amerikanische Regierung den Indian Reorganization Act (IRA). Dieses Gesetz gestattete den Indianernationen eine gewisse Selbstverwaltung. Sie erhielten die Möglichkeit, als Kollektiv zu agieren, um Darlehen zu erhalten oder Geschäfte abzuwickeln.

Casinos und moderne Wirtschaft

Der erfolgreichste indianische Geschäftszweig sind die Casinos. Das organisierte Glücksspiel ist in den meisten Staaten verboten; die quasi autonomen Reservate stehen jedoch außerhalb der staatlichen Gesetze. So können sie eine hochrentable Glücksspielindustrie aufziehen.

Der Geschäftserfolg wird indianischen Traditionen folgend auf die Gemeinden der Reservation aufgeteilt. Einige Stämme ziehen es vor, ihre Einkünfte auf einer Pro-Kopf-Basis zu verteilen; andere setzen auf langfristige Konzepte und verwenden die Fonds, um die Stammesinfrastruktur zu verbessern.

Die Arbeitslosigkeit unter Indianern ist jedoch nach wie vor hoch und beläuft sich in manchen Reservaten auf knapp 90 Prozent. Diese Situation wird sich erst dann ändern, wenn es genügend indianische Fachleute, ausgebildete Techniker und Unternehmer gibt.

Indianer und Medien

Seit der Gründung der ersten indianischen Zeitung, The Cherokee Phoenix 1828, bemühen sich die Indianer unablässig, auf ihr Bedürfnis nach verlässlichen und ausgewogenen Nachrichten- und Informationsquellen aufmerksam zu machen. Zu den Publikationen gehören stammesübergreifende Zeitungen wie das auflagenstärkste Blatt "Indian Country Today".

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Hinweis zur Verwendung des Begriffs „Indianer"

Diese Website verwendet den Begriff „Indianer" als im deutschen Sprachraum etablierte Bezeichnung für die indigenen Völker Nordamerikas. Im Gegensatz zum Englischen oder Spanischen hat dieser Begriff im Deutschen keine abwertende Konnotation. Heute sind Bezeichnungen wie „Native Americans", „First Nations" oder „Indigene Völker" gebräuchlicher. Wir respektieren die Selbstbezeichnungen der einzelnen Nationen.