Die Situation der "Native Americans" ist vergleichbar mit der in der Dritten Welt. Obwohl die Bevölkerungszahlen ansteigen – 1990 gab es wieder rund zwei Millionen Indianer in den Vereinigten Staaten – haben die Nachkommen der Ureinwohner mit großen Problemen zu kämpfen.
Nicht nur unzureichende Bildungsmöglichkeiten, Armut, schlechte medizinische Grundversorgung und hohe Arbeitslosigkeit, sondern auch die Bedrohung ihres Landes und der natürlichen Ressourcen durch profitgierige Konzerne erschweren das Leben der Indianer.
Indianische Rechtsansprüche
Als sich die Weißen die Gebiete der Ureinwohner aneigneten, waren ihre Gelehrten erpicht, das Wesen und die Ursprünge der Bestohlenen zu studieren. 1867 bekam die US-Armee den Befehl, Indianerschädel für Studienzwecke des "Army Medical Museum" zu besorgen. Tausende Schädel wurden auf den Schlachtfeldern zusammengetragen.
Im Jahre 1990 erließ der Kongress schließlich den Native American Graves Protection and Repatriation Act (NAGPRA), der besagt, dass staatliche Organisationen sämtliche sterblichen Überreste, Grabbeigaben und sakrale Objekte den Völkern zurückzugeben haben.
In ihrem Kampf um ihr Land, das sie durch Verträge oder Niederlagen im Kampf verloren, sind die Indianer nur teilweise erfolgreich. Die juristischen Auseinandersetzungen begannen 1946, als der US-Kongress die "Indian Claims Commission" (ICC) einsetzte.
Der Rote Weg
Der Rote Weg kann als der "indianische Weg" verstanden werden, als Versuch, sich der traditionellen Werte wie Tapferkeit, Spiritualität und Respekt vor dem Nächsten zu besinnen und damit als Chance, selbstbestimmt zu leben.
Viele Indianer versuchen, aktuelle soziale Probleme wie Alkoholismus und Drogenmissbrauch über den Roten Weg zu bewältigen. Der Alkoholismus betrifft unzählige Familien in den Reservaten und ist eine der Hauptursachen für Gewalt und Selbstmorde.
Der Rote Weg wird auch beschritten, um das Problem der Arbeitslosigkeit, die in manchen Gemeinden über 85 Prozent liegt, in den Griff zu bekommen. Lokale Projekte, die sich an den traditionellen Werten wie Zuverlässigkeit und Großzügigkeit orientieren, erweisen sich als sehr erfolgversprechend.
Stammesregierungen
Das Wiederaufleben der traditionellen Werte zeigt auch Auswirkungen auf die Stammesregierungen. Der Indian Reorganization Act (IRA) aus dem Jahre 1934 zwingt den Stämmen euroamerikanische, repräsentative Regierungsformen auf. Die repräsentative Demokratie unterminierte jedoch oft die traditionellen Formen der Konsensregierung.
Obwohl alle Stämme ihre Stammesräte beibehalten müssen, versuchen einige Indianernationen, zu traditionellen Formen der Stammesregierung zurückzukehren. Der Stamm der Ihanktonwan (Yankton-Sioux) etwa führte eine Art konsensueller Regierungsform wieder ein.
500 Jahre Widerstand
Im indianischen Geschichtsbewusstsein ist die Vergangenheit Begleiter in die Zukunft. Der indianische Widerstand hatte eine globale Dimension angenommen. Immer mehr Indianer treten mittlerweile aus der Abgeschiedenheit der Reservation heraus und beteiligen sich an der Erdpolitik.
So ist es inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden, dass auf internationalen Konferenzen ein Sprecher der Haudenosaunee eine Arbeitsgruppe leitet, ein Schriftsteller der Kiowa seine Sicht der Welt beisteuert oder ein Medizinmann der Lakota die Sitzung mit einem Gebet eröffnet.
"Ihr könnt genausogut erwarten, dass die Flüsse rückwärts fließen, als dass ein Mensch, der frei geboren wurde, damit zufrieden ist, eingepfercht zu leben, ohne die Freiheit, zu gehen, wohin er beliebt."
