Ihr könnt genausogut erwarten, dass die Flüsse rückwärts fließen, als dass ein Mensch, der frei geboren wurde, damit zufrieden ist, eingepfercht zu leben, ohne die Freiheit, zu gehen, wohin er beliebt.
Die Nez Percé
Die mächtigen Gebirge, Schluchten und grasbewachsenen Ebenen des Hochplateaus, wo die heutigen Staaten Idaho, Washington und Oregon aufeinandertreffen, waren die Heimat der Nee Me Poo. Die frühen frankokanadischen Pelzjäger gaben ihnen den Namen Nez Percé, weil sie glaubten, einige von ihnen trügen als Schmuck Muschelplättchen, die sie sich durch die Nasenscheidewand steckten.
Die Nez Percé hatten immer freundschaftlichen Umgang mit den Amerikanern gepflegt. 1805 hatten sie die Mitglieder der Lewis und Clark-Expedition gerettet, die sonst möglicherweise in den Bergen von Idaho verhungert wären. Später hatten sie sich mit Pelzhändlern angefreundet und amerikanischen Armeen in ihren Kriegen gegen andere Indianernationen im Nordwesten geholfen.
Das Vermächtnis des Vaters
Im Jahre 1871 rief Tuekakas, der bei den Weißen als Joseph bekannt war und mittlerweile erblindet war, seinen einunddreißigjährigen Sohn zu sich:
Mein Sohn, mein Körper kehrt bald zu meiner Mutter Erde zurück. Wenn ich gegangen bin, dann denke an dein Land. Du bist der Häuptling dieser Menschen. Vergiss nie, dass dein Vater sein Land nie verkauft hat. Dieses Land birgt die Leiche deines Vaters. Verkaufe nie die Knochen deines Vaters und deiner Mutter.
Young Joseph – der den Weißen bald als Chief Joseph bekannt werden sollte – übernahm die Führung der Wellamotkin-Gruppe und widersetzte sich sechs Jahre lang erfolgreich den Versuchen, die Nez Percé von ihrer Heimat zu vertreiben.
Der große Rückzug 1877
Als General Oliver O. Howard 1877 das Ultimatum stellte, alle Nez Percé müssten sofort in eine kleine Reservation ziehen, kam es zur Eskalation. Nach einem Zwischenfall begannen die vereinten Nichtvertrags-Gruppen der Nez Percé mit insgesamt rund 750 Menschen – darunter Frauen, Kinder, Kranke und Alte – einen 2200 Kilometer langen Rückzug.
Dabei überlisteten und verwirrten sie zahlreiche Militäreinheiten unter der Führung altgedienter Bürgerkriegsoffiziere. Ihre Flucht führte sie über die Berge, durch die Schluchten und über die Hochlandprärien von Idaho, über die hohen Bergrücken der Bitterroot Mountains nach Montana und Wyoming.
General Sherman bemerkte nach dem Krieg: "Sie nahmen keine Skalps, ließen gefangene Frauen frei, ermordeten nicht wahllos friedliche Familien und kämpften mit fast wissenschaftlicher Präzision."
Die Kapitulation
Keine sechzig Kilometer von der kanadischen Grenze entfernt, in der Nähe der Bear's Paw Mountains in Montana, überraschte Colonel Nelson A. Miles die Nez Percé. Nach einer fünftägigen Belagerung ergab sich Joseph am 5. Oktober 1877 mit seiner berühmten Rede:
Sagt General Howard, ich kenne sein Herz. Ich bin müde vom Kämpfen. Unsere Häuptlinge sind tot. Die alten Männer sind alle tot. Es ist kalt, und wir haben keine Decken. Die kleinen Kinder erfrieren. Hört mich an, meine Häuptlinge! Ich bin müde. Mein Herz ist krank und traurig. Von dort, wo die Sonne jetzt steht, werde ich nie mehr kämpfen.
Das Exil
Statt wie versprochen in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen, wurden die Nez Percé in ein malariaverseuchtes Tiefland bei Fort Leavenworth und später in eine Reservation in Oklahoma gebracht. Erst 1885 durften die Überlebenden in den Nordwesten zurückkehren – aber nicht in ihr Wallowa Valley.
Chief Joseph starb 1904 in der Colville-Reservation in Washington an "gebrochenem Herzen". Dort leben die Nachfahren seiner Gruppe noch heute, noch immer im Exil.
