Die Bewohner des Großen Beckens lebten und wirtschafteten hauptsächlich in kleinen Familienverbänden, die jeweils ein bestimmtes Territorium nutzten. Während am Ostrand des Beckens gelegentlich auftauchende Bisonherden bei den dort lebenden Ute eine straffere Organisation erforderten, gab es im restlichen Becken keine fest gefügten Stämme.
Angesehene Männer übernahmen lediglich Führungsrollen, wenn mehrere Familien in Zeiten reichlichen Nahrungsangebots gemeinsam jagten und sammelten oder sich in die festeren Winterlager zurückzogen. Die Familien konnten sich jederzeit voneinander trennen oder sich anderen Gruppen anschließen. Diese flexiblen Gruppenbildungen sorgten für die bestmögliche Ausnutzung des kargen Landes.
Namen nach Nahrungsquellen
Viele örtliche Ansammlungen von Familien wurden unter Namen bekannt, die das Nahrungsangebot ihres jeweiligen Gebietes charakterisierten: Gruppen der Western Shoshone hießen dann "Fischesser", "Büffelbeerenesser" oder "Reisgrasesser". Da diese Gruppen sich auch selbst so nannten, unterstrichen derartige Namen gleichzeitig auch ihren Anspruch auf ein bestimmtes Gebiet und seine natürlichen Nahrungsquellen.
Die Zeit des Mangels
Zu Beginn des Jahres war in klirrender Kälte die Nahrungsknappheit am größten, wenn die Speisen in den Vorratslöchern verbraucht waren und es nur gelegentlich Forellen oder abgemagerte Kaninchen zu fangen gab. In solchen Zeiten des Hungers konnte es vorkommen, dass Alte und Kinder – nicht selten auf die eigene Bitte hin – mit etwas Nahrung an einer geschützten Stelle zurückgelassen wurden, weil die Sorge für sie das Überleben der ganzen Gruppe gefährdet hätte.
Die harte Zeit der Knappheit begann sich zu neigen, wenn sich im Februar die aus dem Winterschlaf erwachten Erdhörnchen als erste Nahrungsquelle anboten. Bald kamen Zugvögel aus dem Süden hinzu: verschiedene Entenarten, Schneegänse, Kanadagänse und Sumpfhühner, die man mit Pfeil und Bogen oder Fangnetzen jagte.
Behausungen
Jetzt konnten die Menschen ihre geschützten, rindengedeckten Winterbehausungen verlassen, die mit ihren mehr als zehn Metern Durchmesser unter einem festen Gerüst aus Wacholderholz einem guten Dutzend Personen Platz boten. Im heißen Sommer genügte das leichte, grasgedeckte kahni (Haus) als Wohnstätte.
Große Vorteile brachte das Tipi, das sich in historischen Zeiten gemeinsam mit dem Pferd von den Ute und Eastern Shoshone aus immer weiter nach Westen verbreitete; um 1850 besaßen schließlich auch die Gruppen der Paiute bescheidene Pferdeherden.
Die Jagd
Jäger zogen meist allein auf die Pirsch, aber je nach Gelände empfahl sich auch die gemeinsame Jagd auf Maultierhirsche, Gabelböcke und Dickhornschafe. Solche Jagden standen unter der Führung eines erfahrenen Jagdleiters, der meist auf bestimmte Tiere spezialisiert war und die Fähigkeit besaß, vor der Jagd von guten Beuteplätzen zu träumen.
Vor und nach der Jagd galt es, sich durch ein Schwitzbad rituell zu reinigen, wenn man auch künftig Erfolg haben wollte. Träumte ein Jäger von dem erhofften Jagdwild, galt dies als ein gutes Omen.
Die Nahrungsvielfalt
Obwohl die harte Umwelt ihre Bewohner in ihrer Nahrungssuche alles andere als wählerisch machte, wurde doch bei den Southern Paiute niemals Fleisch von Wolf oder Kojote gegessen, ebenso wenig von Krähen und Elstern – alle diese Tiere fressen Aas. Die Bewohner des Beckens mieden alles, was mit dem Tod in Berührung gekommen ist.
Die im Spätsommer in Schwärmen auftretenden Heuschrecken trieb man in einem großen Kreis auf ein Feuer zu, wo sich die Tiere versengten. Oft landeten diese sehr nahrhaften Tiere auch im Great Salt Lake und wurden in riesigen Mengen bereits gesalzen ans Ufer gespült. Auf diese Weise konnten von einer Person 1,5 Millionen Kalorien pro Stunde eingesammelt werden.
Die Piñon-Ernte
Die begehrteste Speise und ein wichtiger Wintervorrat für fast alle Völker des Großen Beckens waren die Samen oder "Nüsse" aus den Zapfen der Einblättrigen Piñonkiefer an den höher gelegenen Berghängen. Diese pistaziengroßen Nüsse sind nicht nur schmackhaft und reich an Nährstoffen, sondern auch leicht in großen Mengen zu ernten und lassen sich ausgezeichnet bevorraten.
Wenige Wochen vor dem Beginn der Ernte fanden sich die verstreuten Familien in größeren Lagern ein. Ende August zog eine Abteilung von Kundschaftern der Northern Paiute in die Berge, um die reichsten Piñonhaine zu finden, denn der Ertrag der Bäume war von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich.
Die Kaninchenjagd
Der Spätherbst, wenn man dank der Vorräte an Piñonnüssen in größeren Gruppen beisammen leben konnte, war eine Periode der Feste, aber auch die beste Zeit für die gemeinsame Kaninchenjagd. An guten Orten konnte man Tausende Hasen und Kaninchen beim Äsen in den Talsenken überraschen. Die von den Männern eingekreisten Nager drängten sich in der Mitte zusammen, und wenn einer aus dem Kreis herauszuschlüpfen versuchte, wurde er mit einem gekrümmten Wurfholz erlegt.
Eine andere Technik bestand in der Verwendung mannshoher Fangnetze von bis zu 100 Metern Länge. Die Herstellung eines solchen Netzes aus wilden Hanffasern erforderte viel Geschick – verstarb der Besitzer eines solchen Netzes, wurde es zuweilen unter seinen Erben aufgeteilt.
Der Winter
Bei Wintereinbruch fanden sich die Menschen in kleinen, geschützt gelegenen Familienlagern ein. Die Männer gingen auf die Jagd oder stellten Netze und Jagdgerät her. Für die Frauen war dies die Zeit der Korbflechterei. Fast der gesamte Hausrat der Paiute, Shoshone und Washoe bestand aus Korbwerk: konische Tragkörbe, Kopfbedeckungen, wasserdichte Flaschen und Schalen, Schlegel für die Grassamenernte und das Grundgerüst der Kindertragen.
Während die Frauenhände Weidenruten und Binsen zu Körben flochten, webten die Zungen der Erzähler Worte zu Geschichten aus naher und ferner Vergangenheit, denn jetzt war Zeit und Gelegenheit dazu.
