Die Bedeutung der Wappen
Zeremonial- und Monumentalkunst spielten in den traditionellen Kulturen ganz unterschiedliche Rollen. In den nördlichen Gegenden diente ein Großteil der Zeremonialkunst der Zurschaustellung von Wappen, in denen sich die Lineage des Besitzers repräsentiert sah. Ein Mann, der eine Bärenmaske trug, gehörte zur Bären-Sippe oder zum Bären-Klan.
Diese Wappen verweisen auf eine Urzeit, in der die Abgrenzungen zwischen Menschen, Geistern und Tieren sehr viel fließender waren. In dieser Zeit konnten Tiere Menschen heiraten, und manchmal verwandelten sich Geister aus tierischer in menschliche Gestalt. Menschen, die mit Tieren und Geistern Erfahrungen dieser Art gemacht hatten, konnten das Recht auf ein bestimmtes Wappentier erlangen.
Ein Kunstwerk, das ein Wappen zeigt, gibt demnach vielleicht mehr an als nur die Genealogie. Es kann auch von der Familiengeschichte sprechen und von den spezifischen Rechten, derer sich diese Familie aufgrund der Erfahrungen der Ahnen erfreut – das Recht, bestimmte Tänze aufzuführen, bestimmte Lieder zu singen, bestimmte Geschichten zu erzählen.
Arten von Wappenpfählen
Es gab viele Arten von Wappenpfählen, die je nach Funktion unterschiedlich groß waren:
- Gedenkpfähle – zu Ehren einer verstorbenen hochrangigen Person errichtet
- Frontpfähle – standen vor der Hausfassade und zeigten die Wappen der dort lebenden Familien
- Innerhauspfähle – kürzere Pfähle, die die Dachbalken stützten
- Bestattungspfähle – vor allem bei den Haida, mit Grabkisten an der Spitze
- Willkommensfiguren – am Strand errichtet, um Besucher zu begrüßen
Wappenpfähle waren überwiegend bei den südlichen Tlingit, den Haida, Tsimshian und den Kwakiutl verbreitet. Die Errichtung eines Wappenpfahls geschah im Rahmen eines Potlatch. Die Gäste fungierten als Zeugen, die bestätigten, dass die Familie, die den Pfahl aufstellen ließ, dazu auch berechtigt war.
Zeremonialmasken




Die Südlichen Kwakiutl sind besonders für ihre Tseyka (populär: Hámatsa) – Tänze oder Winterzeremonien bekannt. Diese Tänze nehmen auf die Erfahrungen von Vorfahren mit Geistern Bezug. Der Hámatsa oder Initiierte erlebt selbst die Abenteuer eines Vorfahren mit dem Menschenfressergeist Bakhbakwalanooksiwey.
Bei einigen dieser Tänze tragen die Tänzer große Masken, die die kannibalischen Vögel darstellen, die Bakhbakwalanooksiwey begleiteten. Diese dramatischen Masken waren aus Holz geschnitzt und mit großen, herabfallenden Stränen aus der Rinde der Roten Zeder drapiert. Die Masken haben bewegliche Schnäbel, die von den Tänzern mittels Zugschnüren geöffnet und geschlossen wurden.
Die Technik des Vexierbilds
Eine besondere künstlerische Technik an der ganzen Küste ist das "Vexieren": Teile eines Tiers sind zugleich die eines anderen. So können die Schwingen eines Adlers auch die Brustflosse eines Wals darstellen, was dem Künstler erlaubt, eine gemeinsame Identität anzudeuten. Auch diese künstlerische Technik impliziert, dass Grenzen fließend sein können – zwei Präsenzen können denselben Platz zur selben Zeit einnehmen.
