Das Massaker am Sand Creek

29. November 1864

Der Weg zur Tragödie

Jahrzehntelang blühten die Pferdekulturen der Prärie-Stämme. Weiße Forschungsreisende, Trapper und Händler kamen und gingen; ihnen folgten Missionare, Bergarbeiter und Siedler, die die Great Plains auf ihrem Weg nach Oregon, Kalifornien oder Salt Lake City durchquerten.

Als dann in den Jahren 1858 und 1859 am South Platte River in Colorado Gold gefunden wurde, strömten die Massen mitten durch die Bison-Jagdgründe der Cheyenne, Arapaho, Sioux, Kiowa und Comanche.

Black Kettle - Der Friedenshäuptling

Während einige Häuptlinge die Krieger auf die Verteidigung ihres Landes vorbereiteten, versuchten andere, Krieg um jeden Preis zu vermeiden. Die Cheyenne-Häuptlinge Black Kettle und White Antelope hatten sich lange um die Freundschaft mit den Vereinigten Staaten bemüht.

Im Jahr 1861 hatten sie zugestimmt, in ein Reservat zu gehen. Dann waren sie nach Washington gereist, um sich mit Präsident Lincoln zu treffen; Lincoln überreichte Black Kettle eine große amerikanische Fahne und verlieh White Antelope einen Friedensorden.

"Wir bitten nur um eins: dass wir Frieden mit den Weißen haben dürfen. Ich möchte, dass ihr allen Häuptlingen der Soldaten hier zu verstehen gebt, dass wir Frieden wollen."

– Black Kettle

Colonel Chivington und der Angriff

Was Black Kettle aus Denver mit auf den Weg nahm, sah wie eine Bürgschaft aus: Sie könnten in der Nähe von Fort Lyon im südöstlichen Colorado Schutz suchen und dort ihr Lager aufschlagen.

Aber die Befehle, die Colonel Chivington seinem Freiwilligenheer aus erbitterten Indianerhassern vermitteln ließ, zeugten von einer anderen Einstellung: "Die Cheyenne müssen vernichtend geschlagen werden. Wenn ihr Cheyenne in eurer Nähe erwischt, tötet sie; anders geht es nicht."

Im Morgengrauen des 29. November 1864 ritten die "Colorado-Volunteers" durch das trockene Bachbett in das schlafende Indianerdorf. Sie hatten Befehl, keine Gefangenen zu machen.

Der Augenzeugenbericht

George Bent, Sohn des bekannten weißen Pelzhändlers William Bent und seiner Cheyenne-Frau Owl Woman, beschrieb die Attacke:

"Ich hörte Schreie und dass Menschen durchs Lager liefen. Vom Bach her näherten sich ein großer Trupp Soldaten im schnellen Trab. Ich blickte zum Tipi des Häuptlings hinüber und sah, dass Black Kettle eine große amerikanische Fahne ans Ende einer langen Stange gebunden hatte, vor seinem Tipi stand und die Stange hochhielt."

– George Bent

White Antelope stand vor seinem Tipi, die Arme vor der Brust verschränkt, und sang sein Todeslied: "Nichts lebt lange, nur die Erde und die Berge." Er wurde mit dem Friedensorden auf der Brust erschossen.

Die Folgen

Über 150 Indianer wurden an diesem Tag abgeschlachtet. Black Kettle fand seine Frau mit neun Schusswunden im Körper - wie durch ein Wunder hatte sie überlebt.

"Ich glaubte einmal, dass ich der einzige sei, der darauf beharrte, der Freund des weißen Mannes zu sein. Aber jetzt, da sie uns unsere Zelte, unsere Pferde, einfach alles geraubt haben, ist es schwer für mich, den weißen Männern noch irgend etwas zu glauben."

– Black Kettle

Black Kettles Ende am Washita

Im November 1868 verfolgte die 7. Kavallerie unter der Führung von Lieutenant Colonel George Armstrong Custer einen Cheyenne-Kriegertrupp zu Black Kettles Dorf am Washita River.

Im Morgengrauen des 27. November 1868 - fast auf den Tag vier Jahre nach Sand Creek - stürmten Custers Truppen erneut in ein schlafendes Dorf. Black Kettle und seine Frau wurden am Flussufer erschossen.

"Wenn mir auch Unrecht geschehen ist, lebt doch die Hoffnung in mir. All meine indianischen Freunde zögern - sie fürchten sich herzukommen; sie fürchten, verraten zu werden, wie ich verraten worden bin."

– Black Kettles letzte Worte

Verwandte Artikel

Hinweis zur Verwendung des Begriffs „Indianer"

Diese Website verwendet den Begriff „Indianer" als im deutschen Sprachraum etablierte Bezeichnung für die indigenen Völker Nordamerikas. Im Gegensatz zum Englischen oder Spanischen hat dieser Begriff im Deutschen keine abwertende Konnotation. Heute sind Bezeichnungen wie „Native Americans", „First Nations" oder „Indigene Völker" gebräuchlicher. Wir respektieren die Selbstbezeichnungen der einzelnen Nationen.