Red Clouds Krieg

Der einzige Krieg, den die Indianer gegen die USA gewannen

Der Bozeman Trail 1866

1866 beschloss die Regierung, alles daranzusetzen, um den Bozeman Trail rechtzeitig zum Sommeranfang zu öffnen. Da mit einer großen Siedlerwelle zu den Minen in Montana gerechnet wurde, schickte die Armee Colonel Henry B. Carrington und ein Bataillon von siebenhundert Offizieren und Soldaten der 18. Infanterie in das Land am Powder River, wo sie eine Reihe von Forts errichten sollten.

Gleichzeitig reiste eine Regierungskommission nach Fort Laramie in der Absicht, die Sioux mit Geschenken und anderen Bestechungsmitteln friedlich dazu zu bewegen, die Weißen durch ihr Bisonland ziehen zu lassen. Als die Abgesandten in Fort Laramie eintrafen, wurden sie von Oglala, Sicangu und einigen Cheyenne und Arapaho mitsamt ihren Führern bereits erwartet.

Zu der Indianerabordnung gehörten auch die Sicangu-Häuptlinge Sinte Galeshka (Spotted Tail) und Swift Bear sowie die Oglala-Anführer Red Cloud und Man Afraid of His Horse. Diese vier zählten zu den einflussreichsten und mächtigsten Sioux-Häuptlingen.

Die Konferenz von Fort Laramie

Zu Beginn der Konferenz am 5. Juni sagten die Regierungsbeauftragten, sie seien an friedlichen Beziehungen zu den Indianern interessiert und wollten nur das Recht, einige Straßen durch ihr Gebiet zu legen. Den Indianern war klar, dass die Weißen vom Bozeman Trail sprachen.

Die Indianer wollten den Vorschlag überdenken und baten um eine Verschiebung der Konferenz. Am 13. Juni trafen sich die Unterhändler erneut, doch die Versammlung wurde sofort aufgelöst durch die Ankunft von Colonel Carrington und seinen Truppen, die auf dem Weg ins Land um den Powder River im Fort Station machten.

Red Clouds Widerstand

Der Oglala-Kriegshäuptling Red Cloud war mit seinen rund 45 Jahren eine imposante Erscheinung. Durch seine zahlreichen Angriffe gegen die Pawnee, die Crow und andere Feinde der Sioux war er weithin bekannt und galt als ein angesehener Krieger. Darüber hinaus war er aber auch ein ehrgeiziger und gerissener Politiker.

Als ihm das hinterhältige Vorgehen der Regierungsbeamten klar wurde, warf er ihnen vor:

"Der Große Vater schickt uns Geschenke und verlangt neue Straßen. Aber der weiße Häuptling stiehlt mit seinen Soldaten die Straße, bevor die Indianer ja oder nein sagen!"

Dann wandte er sich seinen Leuten zu:

"Die weißen Männer haben die Indianer Jahr um Jahr zurückgedrängt, so dass wir gezwungen sind, in einem kleinen Gebiet nördlich des Platte zu leben, und jetzt soll uns unser letztes Jagdgebiet, die Heimat des Volkes, genommen werden. Unsere Frauen und Kinder werden verhungern, aber was mich betrifft, so sterbe ich lieber im Kampf als an Hunger."

Das Fetterman-Massaker

Im Sommer errichtete Carrington drei Forts entlang dem Bozeman Trail. Crazy Horse und andere Krieger bedrängten die Bauarbeiter, und als die Sonnentänze im Sommer vorüber waren, setzten sie die Angriffe auf den Trail vermehrt fort.

Im Dezember begann Red Cloud seinen Krieg. In einem Lager in der Nähe von Fort Phil Kearny versammelten sich über eintausend Indianerfamilien. "Mit achtzig Leuten könnte ich durch das gesamte Gebiet der Sioux reiten", prahlte Captain William J. Fetterman. Die große Chance des arroganten Fetterman kam am 21. Dezember, als er mit genau achtzig Männern ausgeschickt wurde. Unüberlegt führte Fetterman seine Leute geradewegs in einen Hinterhalt. Hunderte von Sioux überfielen ihn und töteten ihn mit allen seinen Soldaten.

"Wir müssen mit ernsthaften Vergeltungsmaßnahmen gegen die Sioux vorgehen", verlangte General Sherman, "selbst wenn wir sie dabei auslöschen, gegen Männer, Frauen und Kinder." Es war eine leere Drohung.

Der Sieg der Sioux

Obwohl das kalte Wetter die Indianer zwang, ihre Belagerung zwischenzeitlich abzubrechen, setzten sie ihre Angriffe im folgenden Jahr 1867 fort. Auf Druck der Friedensbefürworter im Osten hin gelangte die Regierung schließlich zu der Ansicht, dass sich der finanzielle und militärische Aufwand für den Bozeman Trail nicht lohnte, und gab auf.

1868 verkündete die Armee den Indianern, dass sie die Forts aufgeben würde. Red Cloud und viele der führenden Häuptlinge weigerten sich, nach Fort Laramie zu kommen, bevor die Soldaten tatsächlich abgezogen waren. Im Juli und August verschwanden die Soldaten schließlich aus dem Land am Powder River und überließen die verhassten Forts den Kriegern, die sie sofort in Brand steckten.

Tage des Aufruhrs

Red Clouds Beziehungen zur amerikanischen Regierung blieben jedoch gespannt. Er und die anderen Häuptlinge, die den Vertrag unterzeichnet hatten, gingen davon aus, dass man ihnen damit versprochen hatte, die Indianer könnten in ihrem Land in Frieden leben.

1870 fuhren Red Cloud und eine Delegation von Indianern mit der Eisenbahn nach Washington. Red Cloud und die anderen Häuptlinge traten stolz und würdevoll auf und ließen sich von den Sehenswürdigkeiten und Unterhaltungsveranstaltungen nicht beeindrucken. Als Red Cloud von dem Vertragsinhalt erfuhr, wurde er wütend und sagte, das Papier enthalte zahllose Lügen. "Ich höre hier zum erstenmal von einem solchen Vertrag. Ich habe noch nie etwas davon gehört und beabsichtige nicht, ihn zu befolgen."

Auf Einladung von Reformern hielt er im Cooper Institute eine flammende Rede:

"1868 kamen Männer zu uns und brachten Papiere mit. Wir konnten sie nicht lesen, und sie sagten uns nicht, was darin stand. Wir dachten, der Vertrag besagt, dass sie die Forts räumen würden und wir zu kämpfen aufhören... Als ich nach Washington kam, erklärte mir der Große Vater, was wirklich in dem Vertrag stand, und zeigte mir, dass die Dolmetscher mich hintergangen hatten."

Die Spaltung der Sioux

In der Zwischenzeit wuchs das Misstrauen der Sioux-Gruppen gegen Red Cloud. Nur rund zwei Drittel der Oglala folgten ihm zu der neuen Agentur. Die anderen, die ihm die Verteidigung ihres Landes nicht mehr anvertrauen wollten, blieben am Powder River oder zogen nach Norden zu Sitting Bulls Hunkpapa-Sioux. Sie bewunderten die mutige, kompromisslose Führerschaft des Oglala-Kriegers Crazy Horse, der sich gegen Red Cloud stellte.

1872 schickte Red Cloud im Namen der Regierung seine Kapitulation an Sitting Bull und die anderen Häuptlinge im Norden: "Für mich ist der Krieg vorüber." Damit war es der Regierung gelungen, die mächtigen Teton-Sioux zu spalten.

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