Der Französisch-Indianische Krieg

Der Kampf um Nordamerika 1754-1763

Der Konflikt um das Ohio-Tal

Für die meisten indianischen Nationen des Appalachen-Grenzgebietes und des Ohio-Tals war der 1754 beginnende Konflikt, den die Engländer "French and Indian War" nannten, kaum mehr als eine Fortsetzung der Unruhen, die die Stämme und ihre Beziehungen sowohl untereinander als auch mit der expandierenden weißen Bevölkerung erschütterten.

Letztlich war dieser Konflikt ein Kampf der beiden europäischen Mächte um den Besitz Nordamerikas. Die meisten Stämme erkannten, dass sie bei diesem Krieg nichts gewinnen würden, und versuchten, neutral zu bleiben; viele konnten es jedoch nicht vermeiden, als Hilfstruppen eingesetzt zu werden.

George Washingtons Anfänge

Im Winter 1753/54 schickte Virginia den einundzwanzigjährigen Inspektor und Milizoffizier George Washington in das Ohio-Gebiet, um die französischen Erbauer der Forts zum Verlassen des Gebietes aufzufordern. Sein Versuch misslang.

Der Seneca-Häuptling Tanacharison schlug vor, Franzosen und Engländer sollten sich beide aus dem Gebiet zurückziehen und es dem Irokesen-Bund als eine Art Pufferzone überlassen. Darauf verlor der französische Offizier die Fassung und schrie den würdevollen Staatsmann an: "Ich habe keine Angst vor Fliegen und Moskitos, denn genau das sind die Indianer. Ich verachte die Dummheit, die du von dir gegeben hast."

Fort Necessity

Im April 1754 kehrte Washington mit 120 Mann ins Ohio-Tal zurück. Tanacharison und seine Krieger schlossen sich wieder Washington und seiner Miliz an und überfielen mit ihnen das Lager einer kleinen französischen Abteilung, wobei sie den Befehlshabenden und neun seiner Männer töteten.

An einem Ort namens Great Meadows errichtete Washington einen eigenen Posten, den er Fort Necessity nannte. Doch der Platz war schlecht gewählt. Am 4. Juli 1754 griff eine französische Armee von 650 Mann das Fort an. Nach einem Tag ergebnisloser Kämpfe bei strömendem Regen kapitulierte Washington.

Braddocks Niederlage

Am 9. Juli 1755 trugen Hunderte von Kriegern der Odawa, Ojibway, Miami, Potawatomi, Menominee, Shawnee, Huronen, Delaware und profranzösische Seneca maßgeblich dazu bei, Generalmajor Edward Braddocks rotröckige Grenadiere aus den tiefen Wäldern am Monongahela River zu vertreiben.

Braddock, der mit Beleidigungen der Stämme nicht sparte, hatte neben seiner Truppe nur acht Indianer dabei. Vor seinem katastrophalen Marsch hatte er den Delaware-Häuptling Shingas arrogant mitgeteilt, nach dem Sieg über die Franzosen würden nur noch Engländer – und "kein Wilder" – dieses Land bewohnen.

Der Cherokee-Krieg

Die Cherokee, eine der größten und mächtigsten Nationen des Ostens, wurden ebenfalls in den Konflikt hineingezogen. 1756 errichteten die Engländer zum Schutz des Territoriums der Cherokee Fort Loudoun. Aber eine Reihe grober Verstöße englischer Siedler sowie der Zorn über fortgesetzte Betrügereien englischer Händler brachten die Bereitschaft der Indianer zum Erliegen.

Im Oktober 1759 ließ der Gouverneur von South Carolina eine Delegation von einunddreißig bedeutenden Cherokee-Häuptlingen verhaften und einsperren. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Wütende Cherokee-Kämpfer begannen den Krieg, indem sie Fort Prince George belagerten.

1761 marschierten britische Truppen mit Hilfe der Chickasaw durch das Land der Cherokee, legten fünfzehn Orte in Schutt und Asche und verbrannten die Felder. Über fünftausend Cherokee flohen in die Berge, wo sie vom Hungertod bedroht waren.

Das Ende des Gleichgewichts

Die Irokesen waren nicht zuletzt aufgrund der strategischen Lage ihres Herrschaftsgebietes zwischen den Einflussbereich der Franzosen und der Engländer reich und mächtig geworden. Sie hatten die beiden europäischen Rivalen gegeneinander ausgespielt und die Rolle einer neutralen dritten Macht übernommen.

Mit der Niederlage und dem Rückzug Frankreichs aus Nordamerika veränderte sich diese Situation. Umgeben von britischen Forts und ohne eine zweite europäische Macht im Rücken hatte der Irokesenbund eine bedeutende diplomatische Waffe eingebüßt.

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Hinweis zur Verwendung des Begriffs „Indianer"

Diese Website verwendet den Begriff „Indianer" als im deutschen Sprachraum etablierte Bezeichnung für die indigenen Völker Nordamerikas. Im Gegensatz zum Englischen oder Spanischen hat dieser Begriff im Deutschen keine abwertende Konnotation. Heute sind Bezeichnungen wie „Native Americans", „First Nations" oder „Indigene Völker" gebräuchlicher. Wir respektieren die Selbstbezeichnungen der einzelnen Nationen.